22.11.2007 / Jazz´n´More, ( CH)
Lucas Niggli ZOOM meets ARTE Quartet /CRASH CRUISE
Ein grandioses Hörvergnügen
Als Schlagzeuger hat Lucas Niggli sich längst einen überragenden Internationalen Ruf geschaffen, seit einigen Jahren aber profiliert er sich zunehmend auch als einer der originellsten und interessantesten Komponisten der europäischen Jazzszene. Kaum ein anderer Komponist der jüngeren Generation schreibt so brillant neue Musik, die dennoch ganz ohne jene verkrampfte, marktschreierische Attitüde "Alles ganz neu! Alles ganz anders! Alles ganz originell!" auskommt.
Seine ausgeschriebenen Bläserpassagen sind gut gearbeitetes, fein gehörtes, aber durchaus konventionelles kompositorisches Handwerk, das macht, dass einem die Musik einigermassen vertraut in den Ohren klingt. Aussergewöhnlich ist (im Gegensatz zu vielen "Neutönern") nicht wie, sondern was Niggli schreibt, sind sein überquellender Einfallsreichtum, sein sicheres Formbewussisein und - das vor allem sein ebenso verspielter wie virtuoser "Erzählstil": Nichts nimmt seinen vorhersehbaren Lauf, hinter jeder Ecke lauert eine überraschende Wendung, immer geht es anders weiter, als man denkt. Seine Kompositionen sind raffiniert inszenierte Exkursionen mit mannigfachen inneren Bezügen, zum Teil auch feinsinnig witzige Anspielungen auf andere Musikgenres. Natürlich spielt er als Schlagzeuger gern mit komplexen Metren, die einen immer wieder aus dem Tritt bringen, und natürlich lebt das Gegeneinander der immer wieder neu gruppierten Bläser von vertrackten rhythmischen Einfällen. Vor allem aber nutzt Niggli die unterschiedlichen Spielcharakteristiken seiner Musiker, setzt er etwa die stupende Virtuosität von Nils Wogram gegen die störrische (scheinbare) Antivirtuosität von Philipp Schaufelberger. Und sie, auch die vier Saxofonisten des Arte-Quartetts, schlüpfen mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit aus den ausgeschriebenen Passagen in ihre Improvisationen, spielen sich souverän über schnell wechselnde Backgrounds und klinken sich dann ebenso ungezwungen wieder ein ins kollektive Gefüge. Für jeden, der offene, neugierige Ohren hat, ein grandioses Hörvergnügen.
Christian Rentsch