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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

Lucas Niggli Drum Quartet: Beat Bag Bohemia - Poetisch-orchestraler Weltendonner18.09.2008 / Thurgauer Zeitung
Lucas Niggli Drum Quartet: Beat Bag Bohemia
Poetisch-orchestraler Weltendonner

Niggli und sein Ensemble gehen dabei nie den Weg des geringsten Widerstandes und nehmen auch hin, dass sich beim Durchbrechen der geschätzt 100-Dezibel-Schallmauer, der eine oder andere den Finger schützend ins Ohr führt. Es ist ein Spiel mit der Gewalt des Donners und der Zerbrechlichkeit von Poesie, dem sich Beat Bag Bohemia an diesem Abend stellen – und am Ende meisterlich gewinnen.

Bandleader und Schlagzeuger Lucas Niggli brachte mit seiner Beat Bag Bohemia ein gelungenes afro-europäisches Perkussionsspektakel ins Eisenwerk.
Frauenfeld – Es ist das Ausatmen vor dem Sturm, der Moment, bevor eine Geschichte oder ein Leben seine Balance verliert, die den Reiz von künstlerischem Ausbruch ganz generell und auf die Musik bezogen im Speziellen ausmacht.
Das ist auch bei Lucas Niggli und seinem afro-helvetischen Quartett Beat Bag Bohemia nicht anders. Bedächtig, über einen Zeit- und Rhythmusbogen von fünfzehn Minuten hinweg, bauen die beiden Afrikaner Kesivan Naidoo (Drums) und Rolando Lamussene (Djembe und Mbira) sowie die beiden Schweizer Klang-Avantgardisten Peter Conradin Zumthor (Drums) und Lucas Niggli (Drums) die Dramaturgie ihrer ersten Komposition auf.
Poetisch bis brachial
Mit ihren im Kreis aufgebauten Klangburgen geben sich die vier Ausnahmeinstrumentalisten ganz ihrem frei gewählten, panoptischen Rhythmusgefängnis hin. Niggli, selbst in Kamerun geboren und später ein Schüler Pierre Favres, ist innerhalb des mehrfach verzahnten Gebildes Dreh- und Angelpunkt. Stets sind die Augen seiner Spielpartner aufmerksam auf ihn gerichtet. Präzise treibt er seine zeitgenössischen Perkussionskompositionen voran, leitet in immer wechselnde Teile über, um später seinem Orchester einen kompletten Freiraum zu solistischer Entfaltung anzubieten. Das Paradoxon ausnotierter Kompositionen einerseits und bewusster solistischer Entgleisungen andererseits macht den Reiz dieses geografisch Kontinente und klanglich Musikwelten verbindenden Projektes aus. Mal brodelt der Sugo aus Holz, Fellen und Metall genüsslich vor sich hin, um sich unverhofft als lautstärkenmässig schier schmerzender Weltendonner zu entladen.
Nicht neu, aber reizvoll
Neu ist das, was Niggli mit seinen drei Begleitmusikern im Auditorium des Eisenwerks aufführt, zwar nicht, reizvoll ist es dennoch. Ähnliches kennt man in der Schweiz bereits von Peter Giger und, selbstredend, von Pierre Favres «Singing Drums».
Und doch, Nigglis mehrfach überlagerte Rhythmus-Collage folgt in Abgrenzung zur europäischen Ausdrucks-Avantgarde verstärkt auch immer wieder einem treibenden Groove. Es ist ein steter Puls, der die mal poetisch reduzierten Kompositionen und dann wieder schier manischen Ausbrüche begleitet. Statt blossem Staunen beginnt sich deshalb mit jeder weiteren Komposition so mancher Nacken und so ziemlich jeder Fuss zu bewegen.
Niggli und sein Ensemble gehen dabei nie den Weg des geringsten Widerstandes und nehmen auch hin, dass sich beim Durchbrechen der geschätzt 100-Dezibel-Schallmauer, der eine oder andere den Finger schützend ins Ohr führt. Es ist ein Spiel mit der Gewalt des Donners und der Zerbrechlichkeit von Poesie, dem sich Beat Bag Bohemia an diesem Abend stellen – und am Ende meisterlich gewinnen.

Michael Hasler