22.12.2006 / Tages Anzeiger
Lucas Niggli ZOOM meets ARTE Quartet /CRASH CRUISE
Ein Fest der ungereimten Klänge
Neckisch: Lucas Nigglis ZOOM-Trio und das Saxofon-Quartett Arte im Zürcher Moods.
Mit "Klung", einem Kürzel für "Klangliche Ungereimtheiten", habe er bei sich zu Hause ein Mäppchen angeschrieben, erklärt ein verschmitzter Lucas Niggli am Mittwochabend im Moods. in dieses Mäppchen lege er jeweils vereinzelte, noch nicht ganz zu Ende entwickelte musikalische Ideen ab. Auf der Moods-Bühne stehen und sitzen nun sieben Instrumentalisten. Ganz in Schwarz gekleidet die vier Arte-Saxofonisten, Nigglis ZOOM-Trio indessen gibt sich farbenfroh. Sollten hier vielleicht auch musikalisch zwei für sich allein funktionierende Ensembles aneinander vorbeispielen? im Klung-Stück zum Ende des Konzertes erzeugen die verschiedenen Instrumente je neckische Einzeltöne, diese addieren sich nun allerdings zu einem wunderbar kollektiven Klangband voller feiner Abstufungen.
Im Zentrum des Programms steht aber Nigglis-Suite "Crash Cruise", und hier gelingt das Kunststück, die zwei Gruppen zu verschmelzen. Schon beim Komponieren ist Niggli von einer Gesamtinstrumentierung ausgegangen und nicht von zwei Ensembles. Überhaupt kommt an diesem Abend Lucas Niggli als Komponist mehr zum Tragen denn als Schlagzeuger. Der Ustermer Musiker , Jahrgang 1968, ist mit allen möglichen Klängen aufgewachsen, von Morton Feldmann über Free bis Frank Zappa. In manchen Passagen lesen dei wendigenMusiker angestrengt in den Noten, man glaubt, Niggli habe vor jeder Note ein Artikulationszeichen geesetzt.
Übersprudelnder Ideenreichtum:
Daneben gibts aber tumultöse freie Passagen, Was an Nigglis Musik zuallererst auffällt, ist ihr übersprudelnder Ideenreichtum, der sich auch auf Nigglis eben veröffentlichtem Zweitling mit Big Zoom zeigt ("Celebrate Diversity", erschienen beim Zürcher Label Intakt-Records).
Vielleicht mochte man sich im Moods manchmal auch zaghaft fragen: Wo ist die "Mitte" dieser Musik? Fantasievoll, überaus spannend, verblüffend gewandt in der Materialhandhabung ist das aber allemal. Klang eben doch, und nicht Klung.
Christoph Merki